Die gynäkologische Tumorgenetik der Frauenklinik am TUM Klinikum ist ein zertifiziertes Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs. Wir bieten die nötige umfassende Betreuung von der Risikofeststellung, interdisziplinärer Beratung und Gendiagnostik bis zur intensivierten Früherkennung und Nachsorge an.
Wir sind Teil des Deutschen Konsortium für familiären Brust- und Eierstockkrebs, sowie des Comprehensive Cancer Centers München (CCCM).
Wenn bei Ihnen der Verdacht auf ein erhöhtes familiäres Risiko für Brust- oder Eierstockkrebs besteht, bieten wir Ihnen in unserer Tumorrisikosprechstunde eine umfassende und individuell abgestimmte Betreuung an. Ziel unserer spezialisierten Beratung ist es, Ihr persönliches Risiko sorgfältig zu analysieren, offene Fragen zu klären und gemeinsam mit Ihnen fundierte Entscheidungen über mögliche weitere Schritte zu treffen.
Zu Beginn erheben wir Ihre persönliche Krankengeschichte sowie einen detaillierten Familienstammbaum. Auf dieser Grundlage erfolgt eine individuelle Risikoeinschätzung und die Prüfung, ob eine molekulargenetische Testung sinnvoll ist. Dabei informieren wir Sie über Aussagekraft, Optionen, Grenzen sowie mögliche Konsequenzen einer genetischen Untersuchung.
Mithilfe moderner molekulargenetischer Verfahren können Veränderungen in bestimmten Genen nachgewiesen werden, die mit einem erblich bedingten Risiko für Brust- und Eierstockkrebs assoziiert sind. Hierzu zählen insbesondere die Gene BRCA1 und BRCA2 sowie weitere sogenannte Risikogene. Für die genetische Analyse verwenden wir das vom Deutschen Konsortium Familiärer Brust- und Eierstockkrebs entwickelte TruRisk®-Genpanel, das eine umfassende und qualitätsgesicherte Untersuchung relevanter Risikogene ermöglicht.
Die genetische Abklärung beginnt in der Regel mit der Untersuchung (Blutprobe) einer bereits erkrankten Person. Wird eine relevante Veränderung festgestellt, kann anschließend eine gezielte Testung nicht erkrankter Angehöriger erfolgen – stets begleitet von humangenetischer und gynäkologischer Beratung sowie bei Bedarf psychologischer Unterstützung.
Was ist familiärer Brust- und Eierstockkrebs?
In einigen Familien ist das Risiko für Brustkrebs und/oder Eierstockkrebs erhöht. Das ist der Fall, wenn eine genetische Veränderung mitverantwortlich für die Krebsentstehung ist. Diese genetischen Veränderungen werden als Mutationen bezeichnet und können vererbt werden. Falls bei ihnen ein solch erhöhtes Risiko vorliegt, können wir Ihnen und Ihrer Familie umfangreiche Maßnahmen der Krebsfrüherkennung und intensive, individuelle Beratungen anbieten.
Ist das Risiko für Brust- und/oder Eierstockkrebs in Ihrer Familie erhöht?
Wichtige Hinweise für ein genetisch bedingt erhöhtes Risiko sind häufige Fälle von Brustkrebs und/oder Eierstockkrebs in der Familie, Krebserkrankungen in jüngerem Alter und sogenannte Zweittumore. Hier können Sie prüfen, ob eines oder mehrere Kriterien davon auf Sie und Ihre Familie zutreffen. Bei Berücksichtigung der Familienmitglieder ist es wichtig, dass die Erkrankten jeweils miteinander blutsverwand sind. Dies bedeutet, es werden entweder die Mitglieder der mütterlichen oder der väterlichen Familienlinie betrachtet. Bei Fragen zu den Einschlusskriterien stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Übersicht zu familiären Risikofaktoren bei erkrankten Patienten:
- Mindestens drei Frauen mit Brustkrebs, unabhängig vom Alter
- Mindestens zwei Frauen mit Brustkrebs, davon eine jünger als 51 Jahre
- Mindestens zwei Frauen mit Eierstock/ Eileiterkrebs
- Mindestens eine an Brustkrebs und eine an Eierstockkrebs erkrankte Frau oder mindestens eine an Brust- und Eierstockkrebs erkrankte Frau
- Mindestens eine Frau mit Brustkrebs jünger als 36 Jahre
- Mindestens eine Frau mit beidseitigem Brustkrebs jünger als 51 Jahre
- Mindestens ein Mann mit Brustkrebs
- Mindestens eine Frau mit triple-negativem Brustkrebs jünger als 70 Jahre
- Mindestens eine Frau mit Eierstockkrebs jünger als 80 Jahre
- bekannte pathogene Variante in einem der Kerngene in der Familie
Sofern bei Ihnen eine metastasierte, HER2 negative Brustkrebserkrankung vorliegt oder erstmals eine Eierstockkrebserkrankung festgestellt wurde, ist eine Testung für die weitere Therapieplanung, unabhängig von diesen Einschlusskriterien, empfohlen.
Interdisziplinäre Beratung
Falls bei Ihnen der Verdacht auf ein erhöhtes familiäres Risiko besteht, bieten wir Ihnen eine umfassende und individuelle Betreuung. Zu unserem interdisziplinären Team gehören unter anderem Expertinnen aus Gynäkologie, Humangenetik, Radiologie und Psychoonkologie.
Im Rahmen einer Erhebung Ihres Familienstammbaums, sowie Ihrer persönlichen Erkrankungsgeschichte bestimmen wir, ob Ihr Risiko für familiären Brust- und Eierstockkrebs tatsächlich erhöht ist. Basierend darauf beraten wir Sie hinsichtlich der Durchführung einer molekulargenetischen Testung, den damit verbundenen Chancen und Risiken, sowie möglichen nachfolgenden Schritten.
Molekulargenetische Diagnostik
Mit molekulargenetischen Untersuchungsmethoden können genetische Veränderungen in der Erbinformation (DNA) nachgewiesen werden, die mit Brust- und Eierstockkrebs vergesellschaftet sind (z.B. BRCA1, BRCA2 und weitere Hochrisiko-/Risikogene). Speziell zur Analyse von Risikogenen für erblichen Brust-und Eierstockkrebs wurde vom Deutschen Konsortium Familiärer Brust-und Eierstockkrebs das TruRisk®-Genpanel entwickelt. Wird eine krankheitsverursachende Veränderung festgestellt, kann in vielen Fällen eine Diagnose gestellt werden. Dazu ist zunächst die Blutuntersuchung einer erkrankten Person erforderlich. Sofern sich eine eindeutig krankheitsverursachende Veränderung bestätigen sollte, kann im Folgenden eine Zieldiagnostik (prädiktive Untersuchung) bei gesunden Verwandten nach einer umfassenden gynäkologischen, humangenetischen und gegebenenfalls psychotherapeutischen Beratung durchgeführt werden. Unser Labor ist nach DIN EN ISO 15189:2024 akkreditiert.
Hier finden Sie die Liste der akkreditierten Untersuchungsverfahren.
Langfristige interdisziplinäre Betreuung
Abhängig von der individuellen Risikosituation und dem Ergebnis der molekulargenetischen Diagnostik planen wir mit Ihnen gemeinsam die möglichen weiteren Schritte:
Intensivierte Früherkennung bzw. Nachsorge in unserer Mammadiagnostik (Institut für Radiologie der TU München):
- Wir bieten ein risiko-adaptiertes Brustkrebs-Früherkennungsprogramm unter Einsatz von Kernspintomographie und Ultraschall der Brust sowie Mammographie an.
- Diese Untersuchungsmethoden werden in Abhängigkeit des individuellen Erkrankungsrisikos und des jeweiligen Lebensalters angeboten.
- Hierüber werden Sie im Rahmen des genetischen Beratungsgespräches umfassend informiert.
Prävention durch operative Eingriffe:
- In Abhängigkeit des Ergebnisses der genetischen Untersuchung bzw. familiärer Belastung können als Präventionsmaßnahmen auch prophylaktische Operationen in Betracht kommen (z. B. Entfernung des Brustdrüsengewebes oder der Eierstöcke/Eileiter).
- Um Ihnen eine möglichst intensive Hilfestellung bei einer solchen Entscheidung geben zu können, geht eine umfassende interdisziplinäre Beratung, sowie das Angebot zur Anbindung an eine Selbsthilfegruppe voraus.
Lob- und Beschwerdemanagement
Lob und Beschwerde richten Sie bitte an das zentrale Lob- und Beschwerdemanagement des TUM Klinikums Rechts der Isar. Gerne können Sie auch eine E-Mail schreiben an muv@mri.tum.de.